Arcas, Student aus Münster, muss es wohl geahnt haben. Bereits zu Anfang des Dialogs zwischen Moschee und Kirche wies der Übersetzer für Hodscha Nuretin Top daraufhin, dass man alles für eine Übernachtung im Kopernikus-Gymnasium dabei habe.

Und nur der Blick auf die Uhr der beiden Moderatorinnen Elif Batur und Juliana Plugge (Jahrgangsstufe 13) konnte die angeregte Unterhaltung, auch mit den Zuhörern, zu fortgeschrittener Stunde unterbrechen. Der gemeinsame Gesprächsstoff schien unendlich.

Dass man weiter miteinander kommunizieren müsse, darüber waren sich alle Beteiligten am Ende der interessanten Gesprächsrunde zum Thema „Chancen und Grenzen der Koexistenz“ einig. Zum ersten Mal an dieser Stelle führten die Vertreter der verschiedenen Neubeckumer Glaubensgemeinschaften (Pastor Thomas Schulz und Kaplan Lars Hofmann von der Pfarrgemeinde St. Franziskus, Pfarrer Volker Neugebauer von der evangelischen Kirchengemeinde sowie Hodscha Nuretin Top von der Türkisch-Islamische Gemeinde- Neubeckum) im Gymnasium an der Vellernerstraße den Dialog miteinander. Hier hieß es Farbe bekennen und Antworten auf Fragen zu geben, die der stellvertretende Schulleiter Sigfrid Krebs aus seiner multikulturellen Schülerschaft zusammengetragen hatte: „Wie stehen Sie dazu, wenn ein strenggläubiger Vertreter des Christentums oder Islams in Ihre Familie einheiratet? Wie können Sie damit leben, dass die christlichen Kirchen lautstark ihre Gläubigen rufen dürfen, die muslimischen Gemeinden jedoch nicht?“

Nach der Begrüßung durch Schülersprecher Tayfour Bate, galt es diese und andere brisante Fragen nun zu erörtern. Und wie es scheint, ist die Welt zwischen Halbmond und Kreuz in Neubeckum in Ordnung. Denn auch ernste bis komplizierte Fragen diskutierten die Prediger mit viel Humor. „Wenn ich in Jerusalem bin, wohne ich gern im arabischen Viertel. Dort hört man sowohl Kirchenglocken läuten wie auch den Muezzin zum Gebet rufen. Ich könnte auch in Neubeckum gut mit beiden Aufforderungen zum Gottesdienst leben“, stellte Pastor Thomas Schulz fest. Einen Auszug aus der Sure Ihlas, den Ruf des Muezzin zum Gebet, ließ daraufhin Hodscha Nuretin Top im Schreib-Lese-Zentrum der Schule erschallen. Wirkliche Barrieren zwischen Islam und Christentum seien Fragen unterschiedlicher Kulturen, weniger des Glaubens, dessen war man sich sicher. Häufige gemeinsame Gebete seien wünschenswert, und auch die Einführung des Islamunterrichts durch eigens für diesen Zweck ausgebildete Lehrer, in deutscher Sprache, sei längst überfällig, stellten die Gesprächspartner fest.


Bild: Komplizierte Themen diskutieren, ohne den Humor dabei zu verlieren: Das gelang im Kopernikus-GymnasiumNeubeckum beim Dialog zwischen Moschee und Kirche zum Thema „Chancen und Grenzen der Koexistenz“.

Text und Bild: Himmel, Die Glocke vom 25.11.2006