Die Tenorarie "Panis angelicus" aus der Messe fis-moll, gesungen vom Kirchenchor St. Joseph rührte am Sonntag die Herzen der Zuhörer in der Hauptkirche der St. Franziskus-Gemeinde zu Beckum. Als sollte es ein Geschenk zu seinem 184. Geburtstag sein, verzauberten der gemischte Chor und seine beiden jungen Tenöre Martin und Thomas Falbrede die Zuhörer mit ihrer Hommage an den deutsch-belgischen Komponisten César Frank. Mit dem Ad-ventslied "Rorate", bearbeitet von Franz Biebl, boten die Sängerinnen und Sänger einen weiteren Höhepunkt bei der kirchenmusikalischen Andacht. Erste Gäste hatten sich schon mehr als eine halbe Stunde vor Beginn des Musikvergnügens ihre Plätze gesichert.

Beim Auftakt der Veranstaltung, den traditionell der Posaunenchor der evangeli-schen Kirchengemeinde gestaltete, blieben nur noch Stehplätze übrig. "Fröhliche Weihnacht im Advent", jubelten nun die Blasinstrumente mit warmem Klang und gaben Pastor Thomas Schulz und Pfarrer Volker Neugebauer ihr Stichwort bei der Ansprache in der St. Joseph-Kirche. Abschalten solle die Gemeinde und sich öffnen für göttliche Melodien, die Chance wahrnehmen und anders als diejenigen, die sich auf den kommerziell betriebenen Weihnachts-märkten nur aus Gründen der Geselligkeit träfen, dem Weihnachtsrummel zu begegnen. "Stimmet ein in den Jubelton, denn es kommt das Licht der Welt", war die frohe Botschaft, die die Geistlichen beider Konfessionen zu verkünden hatten.

Mit der polnischen Kollenda "Christus ist geboren" begeisterte dann das Streichorchester des Kopernikus-Gymnasiums. Und auch mit seiner neu zusammengestellten Vokalgruppe tat Musiklehrer Erich Hoer in diesem Jahr einen Glücksgriff. Bei dem volksliedhaften altfranzösischen Weihnachtslied "Il est né le divin enfant" und dem Spiritual "Heaven is a wonderful place" erfüllten klare, wohl aufeinander abgestimmte Mädchenstimmen den Kirchenraum.

Mit ihrem gewaltigen Klangkörper bot die Singgemeinschaft Beckum unter Leitung von Siegfried Buske einen musikalischen Ohrenschmaus. Ihr Debüt mit "Ich bete an die Macht der Liebe", vorgetragen vom Männerchor Neubeckum gab Chorleiterin Olga Scheitor und sorgte mit dieser Wahl für stimmungsvolle Atmosphäre. Das getragene typische Kirchenlied "Oh komm du Morgenstern", interpretiert vom Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde, vermittelte den Andachtscharakter der kirchenmusikalischen Zusammenkunft.

"Die schönsten komponierten Werke erfahren erst ihre Bedeutung, wenn sie von menschlichen Stimmen und Instrumenten zum Klingen gebracht werden", damit hatte Pastor Thomas Schulz beim Abschied recht. Den Beweis dafür trat der Flötenkreis St. Joseph mit Werken Georg Friedrich Händels und Georg Philipp Telemanns an. Den stimmgewaltigen Schlusspunkt setzten Sänger und Gemeinde mit dem gemeinsam gesungenen "Tochter Zion" an diesem 2. Advent.

Text und Fotos: Sigrid Himmel, Die Glocke, Beckum, vom 4.12.06