Wildes Gekreische. Da kann es sich doch nur um ausgelassen tobende Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien handeln! Weit gefehlt. Zwar sind 400 Schülerinnen und Schüler des Kopernikus‑Gymnasiums Neubeckum und die sie begleitenden 150 Erwachsenen von dieser stimmlichen Herausforderung unmittelbar betroffen, aber sie befinden sich dabei nicht auf dem Gelände des Gymnasiums, sondern im Stage Metronom‑Theater Oberhausen. Und das Gekreische ist nicht den bald beginnenden Ferien sondern dem dortigen „Affentheater“ geschuldet.

Im Oberhausener Theater dringen die Schülerinnen und Schüler mit jeder Minute tiefer in den Dschungel ein. Lianen, exotisches Vogelgezwitscher und der dumpfe Klang von Trommeln erzeugen eine wunderbare Illusion: Willkommen in der Welt von Tarzan, willkommen im Musical. Aber nicht nur die wilde Schönheit und damit Exotik der Kulissen beeindruckt die „Kopernikaner/innen“, auch die anspruchsvolle Akrobatik der Darstellerin­nen und Darsteller lässt die Zuschauer und Zuschauerinnen staunen. Mit einem rasanten Tempo, auch unter Ausnutzung der sogenannten vertikalen Ebene (d.h. dem „Luftraum“ über dem Publikum), wird der ganze Saal zur Bühne und man weiß nicht mehr, wohin man eigentlich schauen soll. Tarzan fliegt hoch oben, über den Köpfen der Zuschauer/innen, auf die Bühne – und auch seine Gorilla-Sippe steht ihm in nichts nach, wenn sie sich an Lianen hängend, in den Theatersaal stürzt. Die natürlich wirkenden Bewegungen der Darstellerinnen und Darsteller beim sogenannten Ape-Movement (der Affengang mit gebeugten Knien und durchgedrückten Armen, bei dem sich der Darsteller/die Darstellerin auf den Fingerknöcheln abstützt) lassen das Publikum vergessen, dass sich dort Menschen bewegen. Mit jedem „Schritt“, mit jeder Mimik, mit jeder Geste hat die Gorilla‑Rolle von dem Musicaldarsteller/der Musicaldarstellerin Besitz ergriffen.

„Das ist ja Hochleistungssport“, staunt Stephan in der Pause und ergänzt begeistert „und dabei singen die auch noch!“ Die Musik und Liedtexte von Phil Collins treiben die Handlung voran und untermalen die emotionalen Momente  perfekt (z.B. „Warum? Wieso?“, „Fremd wie ich“, „Wie Sonne und Mond“). So ist dieses Musical eine gelungen Mischung aus kühner (Luft-)Akrobatik, einem beeindruckend gestalteten Theatersaal, wunderbaren Kostümen und einer fantastischen Musik.

Am Ende der Vorstellung sind die Expeditionsteilnehmer/innen des Koper­ni­kus‑Gym­na­si­ums beinahe sprachlos, das Erlebte in Worte zu fassen fällt allen schwer. Da ist es doch viel besser, dass das gesamte Ensemble sich zum fulminanten Schlussapplaus noch einmal aus den Tiefen des Saals auf die Bühne schwingt und man den Gorillas, den beiden Tarzan‑Darstellern (dem jungen und dem erwachsenen Tarzan), Jane und dem Expeditionsteam um Professor Porter zu jubeln kann.
Kein Wunder, dass man sich dazu entschieden hat, im nächsten Schuljahr ein ähnlich actionreiches wie emotionales Musical zu besuchen: Der Starlight Express in Bochum wird dann das Ziel des Kopernikus‑Gymnasiums sein.


Ein Teil der Koopernikaner/innen stellte sich nach der „Tarzan“-Vorstellung gut gelaunt auf die Treppen im Stage Metronom Theater Oberhausen.

Text: Michelswirth Foto: Specka