Auf Einladung der SchĂŒlervertretung des Kopernikus-Gymnasiums Neubeckum besuchte Hamed Alhamed (27) am 05. Juli 2017 die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Oberstufe. Der Informatik-Lehrer und Web-Designer aus Deir Ezzor in Syrien berichtete dem interessierten Publikum von seinem Leben in Syrien, seiner Flucht nach Deutschland und seinem gegenwĂ€rtigen Alltag in einer FlĂŒchtlingsunterkunft.

Gleich zu Beginn der PrĂ€sentation sind die Zuhörerinnen und Zuhörer sehr erstaunt. Alhamed begrĂŒĂŸt das Publikum in deutscher Sprache. „Das hĂ€tten wir nicht gedacht. Hamed spricht schon super gut Deutsch!“ sagen Marc und seine Freunde beeindruckt. Alhamed wird dabei konkreter und erlĂ€utert, dass er seit dem Beginn seines etwa anderthalbjĂ€hrigen Aufenthalts in Deutschland bei jeder Gelegenheit versucht Deutsch zu lernen. Dabei gibt es naturgemĂ€ĂŸ auch witzige Situationen, etwa wenn er sich daran erinnert, dass er ĂŒber Formulierungen wie „Hey Alter, was geht?“ nachgedacht und sich gefragt habe was das bedeute. Es sei fĂŒr ihn daher wichtig mit deutschsprachigen Menschen im GesprĂ€ch zu bleiben und stĂ€ndig dazuzulernen. Solche VortrĂ€ge und die anschließenden Frage-und-Antwort-Runden seien da eine gute Gelegenheit, die eigenen FĂ€higkeiten zu verbessern.

Das vorrangige Ziel lautet dabei „Infos ĂŒber das Leben in Syrien vor und nach dem Krieg zu geben“, betont Hamed Alhamed. So gewĂ€hrt er in seiner mit Videos aufbereiteten PrĂ€sentation zunĂ€chst einen Einblick in die Kultur und das gesellschaftliche Leben vor dem Krieg in Syrien. Junge Menschen feiern und gestalten ihre Freizeit gemeinsam. Sie unterscheiden sich in ihren Verhaltensweise nicht von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Muslime und Christen leben friedlich miteinander und gehen beispielsweise auch Ehen ein, wenn beide beteiligten Familien zustimmen. „Wir hatten scheinbar alles“, fasst Alhamed sein Leben vor dem Krieg zusammen, „nur die Meinungs­freiheit hat gefehlt.“

Das Regime von Baschar al-Assad ging mit Repressionen und Gewalt gegen die Demonstranten vor, die fĂŒr Meinungsfreiheit eintraten. Einige Regimegegner haben daraufhin den bewaffneten Kampf aufgenommen, um sich unter UmstĂ€nden fĂŒr die Verletzung oder Tötung von ihnen nahestehenden Personen zu rĂ€chen. Assad bombar­dierte in der Folge die eigene Zivilbevölkerung mit Fassbomben und Mörsergranaten. Die EinschlĂ€ge und die Folgen dieser todbringenden Waffen wurden von Alhamed mit Videos und Fotos aus der unmittelbaren NĂ€he dokumentiert. Das Entsetzen ist allen Zuschau­ern/Zuschauerin­nen ins Gesicht geschrieben, als Alhamed ihnen diesen drastischen Wendepunkt in seinem Leben erlĂ€utert. Der Alltag vieler Syrer/Syrerinnen wurde von nun an durch die permanente GefĂ€hrdung durch Bomben, Granaten, ScharfschĂŒtzen, Giftgas, zerstörte GebĂ€ude, mangelnde oder nicht mehr existente medizinische Versorgung, Hunger und Durst geprĂ€gt.

Mit seinem jĂŒngeren Bruder Ahmed floh Hamed daher von Syrien zunĂ€chst in das Nachbar­land TĂŒrkei. Die Odyssee ihrer Flucht setzte sich ĂŒber Griechenland und die Balkanroute fort, bis sie schließlich Deutschland erreichten. Die Etappen und Erlebnisse auf der Flucht dokumentierten die BrĂŒder mit ihren Smartphones. Aus diesen Videos schnitt und animierte Hamed dann einen Film, der die Strapazen, die Angst, den Verlust der Heimat und das GlĂŒck der geglĂŒckte Flucht verdeutlicht.

Hofften die beiden BrĂŒder nach ihrer Ankunft in Deutschland noch bald ihre Eltern und ihre vier Geschwister nach Deutschland nachholen zu können, so ließ die gesetzliche RealitĂ€t dieses Ansinnen scheitern. Die BrĂŒder sind nun seit etwa drei Jahren von ihrer Familie getrennt. Hamed Alhamed hat das letzte Mal vor anderthalb Jahren per Skype mit seinen Eltern gesprochen. GegenwĂ€rtig ist es den BrĂŒdern nur möglich, ĂŒber den Messanger­dienst WhatsApp Kontakt mit der Familie zu halten. So froh und glĂŒcklich sie auch sind in Europa Schutz gefunden zu haben und in Deutschland leben zu dĂŒrfen, so sehr wĂŒnschen sie sich doch auch diesen Schutz fĂŒr ihre Familie in Syrien.

Besonders eindrucksvoll ist auch ein Kurzfilm, der den Alltag im FlĂŒchtlingsheim illustriert. In der tristen Alltagsroutine wird Alhamed immer wieder von traumatischen Bildern/Erleb­nissen des Krieges und der Flucht eingeholt.

Mit dem Ende des Vortrags nutzten viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler die Gelegenheit mit Alhamed ins GesprĂ€ch zu kommen und das Gesehene und Gehörte zu verstehen. Eda, Celina und Isabell zeigen sich tief beeindruckt, als sie treffend feststellen: „Der Vortrag war sehr emotional und mitreißend, da es eine persönliche Geschichte von jemandem ist, der das alles selber miterlebt hat.“

Derartig berĂŒhrt bedankten sich Felix Aufderheide, als SchĂŒlersprecher, und die Schulleiterin Frau BienengrĂ€ber‑Killmann fĂŒr diesen Vortrag. Alle Beteiligten sind sich sicher, dass das Gehörte und Gesehene wichtig ist, um einen unmittelbaren Eindruck von den Erfahrungen eines syrischen FlĂŒchtlings, seinem persönlichen Schicksal zu bekommen. Diese Erfahrungen sind so viel unmittelbarer, direkter als scheinbar unpersönlichen Nachrichten in den Nachrichtensendungen des Fernsehens.

Text: Michelswirth, Foto: Schenk