Garching (dpa). Es wird so scharfsichtig sein, dass ein Münchner eine Zeitung in Lübeck lesen könnte, und es wird Milliarden Lichtjahre in ferne Galaxien blicken. Das größte Spiegelteleskop der Welt soll in der chilenischen Atacama-Wüste entstehen. Zum 50-jährigen Bestehen der Europäischen Südsternwarte (Eso) laufen die Planungen zu dem eine Milliarde teuren Projekt auf Hochtouren. Das „European Extremely Large Telescope“ (Europäisches Großes Teleskop/E-ELT) soll 16-mal schärfere Bilder liefern als das Weltraumteleskop „Hubble“ und fast bis zum Urknall blicken. Es wird auch einer der spannendsten Fragen der Menschheit nachgehen: Gibt es im Universum einen erdähnlichen Planeten – mit Leben?

Das nach Eso-Angaben „größte Auge der Welt in den Himmel“ soll einen Durchmesser von 39Metern erhalten. „Das E-ELT hat etwa die gleiche Spiegelfläche wie alle Teleskope zusammen, die bis heute je gebaut wurden“, sagt der Eso-Astronom Dietrich Baade. Es soll ab dem Jahr 2023 vom 3060 Meter hohen Berg Cerro Armazones mehr als 13 Milliarden Lichtjahre zurück in die Ursprünge des Weltalls schauen. „Das ist der weiteste Punkt, wohin man zurückgucken kann“, sagt Baade. Die Astronomen wollen herausfinden, wie sich im anfänglich chaotischen Universum Strukturen und dann erste Sterne und Galaxien formten. Am 5. Oktober 1962 unterzeichneten Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande und Schweden die Gründungsvereinbarung der Eso, der heute 14 Länder angehören. Als 15. und erste nicht europäische Nation hat Brasilien eine Beitrittserklärung unterzeichnet. Die Sternwarte hat ihren Sitz seit 1980 in Garching bei München und beschäftigt insgesamt mehr als 700 Mitarbeiter. Eso-Generaldirektor Tim de Zeeuw sagt,vor der Eso sei die europäische bodengebundene Astronomie ein recht kleiner Akteur gewesen. „Sie hat die europäische astronomische Gemeinschaft zusammengeführt, so dass diese Projekte unternehmen kann, die weit jenseits der Möglichkeiten jedes einzelnen Mitgliedsstaates liegen.“ Die Eso-Observatorien liegen am Berg La Silla und am Cerro Paranal in der chilenischen Wüste. Dort herrschen optimale Bedingungen für astronomische Beobachtungen. Es ist trocken und es gibt wenig Luftströmungen, Siedlungen, deren Lichter stören könnten, sind weit weg. Seit der Eso-Gründung gelangen bahnbrechende Entdeckungen. Viele besondere Sterne und Galaxien wurden gefunden. Unter anderem wurde 2004 mit Hilfe des VLT (Very Large Telescope) am Paranal das erste Bild eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgenommen. Sabine Dobel

Die Glocke, 05.10.2012


Bild: dpa

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Aus vier Teleskopen besteht das Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte am Cerro Paranal in Nordchile (oben). Ebenfalls in der Atacama-Wüste soll das „Europäische Extrem Große Teleskop/E-ELT (unten) entstehen, das ab 2023 noch tiefere Blicke ins All ermöglichen soll.