Pasadena (dpa). Viele der gewaltigsten Objekte im Universum sind für das menschliche Auge unscheinbar: Schwarze Löcher, aktive Galaxienkerne und Reste explodierender Sonnen machen sich erst im Röntgenlicht bemerkbar. Ein innovatives Weltraumteleskop der US-Raumfahrtbehörde Nasa soll ein neues Fenster in diesen energiereichen Kosmos öffnen. Der Start des Röntgenobservatoriums „Nu-Star“ (Nuclear Spectroscopic Telescope Array) ist für diesen Mittwoch geplant. Das Röntgenteleskop werde viel tiefere und schärfere Bilder liefern als je zuvor, schwärmt Chefwissenschaftlerin Fiona Harrison vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena. Sie hat die Mission vor 20 Jahren ersonnen.
„Nu-Star“ öffnet den Blick der Astronomen für sogenannte harte, das heißt besonders energiereiche Röntgenstrahlung. Sie gleicht der Strahlung, mit der Ärzte Knochen oder Zähne durchleuchten.
Harte Röntgenstrahlung entsteht im Kosmos etwa, wenn Gas und Staub in den unentrinnbaren Schlund eines Schwarzen Lochs stürzen und sich dabei auf Millionen Grad Celsius aufheizen. Wie derart hohe Energien erzeugt werden ist noch nicht im Detail geklärt. Der Lösung des Rätsels soll das 350 Kilogramm schwere „Nu-Star“ in seiner auf zwei bis fünf Jahren angesetzten Mission näherkommen. Kosten: umgerechnet etwa 131 Millionen Euro.
Um scharfe Bilder von der harten Röntgenstrahlung machen zu können, ist eine besondere Optik nötig. Das einfallende Röntgenlicht wird von schalenförmigen Spezialspiegeln gelenkt. Die beiden optischen Einheiten des Teleskops bestehen aus je 133 dünnen Glaszylindern, die zwiebelschalenartig verschachtelt und mit einer Spezial-Metalllegierung bedampft sind.
Um den richtigen Abstand zum Detektor zu bekommen, muss der beim Start nur kühlschrankgroße Satellit im Erdorbit einen fast zehn Meter langen Turm entfalten. „Das werden 26 kritische Minuten für die gesamte Mission“, sagen die Wissenschaftler. Wenn alles gelingt, wird das neue Weltraumteleskop die erste systematische Bestandsaufnahme Schwarzer Löcher im All liefern können.

Die Glocke, 11.06.2012