Zum zweiten Mal gelang es in diesem Schuljahr, eine Rechtskunde-AG für Schüler der 10. Klassen einzurichten. Als Referentin stand, vermittelt von der Justizverwaltung Münster, Rechtsanwältin Susanne Gehringhoff aus Beckum zur Verfügung...

16 Schülerinnen und Schüler unserer Schule trafen sich 10-mal, jeweils am Mittwoch in der 7. und 8. Stunde, um sich über interessante Rechtsprobleme informieren zu lassen und dar-über zu diskutieren. Im Kurs beschäftigte man sich mit Fragen zum Strafrecht, Zivilrecht sowie dem Arbeits- und Sozialrecht. Zur Vermittlung des Unterrichtsstoffs setzte Frau Geh-ringhoff Bücher und Filme ein. So sahen wir uns beispielsweise folgende verfilmte Situation an: Eine Gruppe Jugendlicher fordert einen Jungen auf, einem alten Mann, der vorübergeht, seine Jacke zu stehlen, um mit in die Gang aufgenommen werden zu können. Dem Jungen gelingt es nicht, die Jacke zu entwenden. Der  alte Mann geht jedoch zur Polizei und erstattet Anzeige gegen ihn. Unsere Aufgabe bestand danach darin, den Film zu analysieren und zu überlegen, wie wir in der gleichen Situation reagiert hätten und welches Strafmaß für den Jungen angemessen sei.


Rechtsanwältin Susanne Gehringhoff (v.l.), Rechtskunde-AG

Von der Theorie ging es später in die Praxis. Gemeinsam mit Frau Gehringhoff besuchten wir kürzlich das Amtsgericht in Beckum, um uns mehrere Gerichtsverhandlungen anzusehen. Für uns Schüler war dies eine interessante Veranstaltung, da wir Gerichtsverhandlungen ja nur aus dem Fernsehen kennen. Wie sich Richterin und Staatsanwalt dem Angeklagten ge-genüber verhalten würden und wie hoch wohl das Strafmaß für die jeweiligen Vergehen aus-fallen würde, waren nur ein paar Fragen, die wir uns vorher stellten. Im ersten Fall war ein Mann ohne Führerschein mit dem Auto gefahren, um neue Stühle damit zu transportieren, mit denen er seiner Frau eine Freude machen wollte. Er war zwei Kilometer mit dem PKW gefahren, als er von einem mit der Familie bekannten Polizisten erwischt wurde. Dieser zeig-te, wie es seine Pflicht war, den Mann ohne Führerschein an. Da der Angeklagte schon ein-mal wegen Trunkenheit am Steuer polizeilich aufgefallen war, gestaltete sich die Urteilsfin-dung für die Richterin als schwierig. Zu Gunsten des Angeklagten entschied sie sich jedoch dafür, von einer Gefängnisstrafe abzusehen, und verurteilte den Mann zu 70 Tagessätzen von je 25 Euro. Auch bei den anderen Urteilen, die an diesem Vormittag gefällt wurden, ging letztlich alles zu Gunsten der Angeklagten aus.

Die Rechtskunde AG ist eine große Bereicherung für unsere Schule und sollte auch in Zu-kunft angeboten werden. Im Jahrgang 11 kann am KGN ein Grundkurs in Rechtskunde an-geboten werden.

Julia Himmel, Jg.10, Schuljahr 2004/2005
Foto Sigrid Himmel