Während sich Jürgen Rüttgers und Peer Steinbrück in Bochum heftige Duelle lieferten, ging auch in Neubeckum der Wahlkampf in die heiße Endphase: Auf Einladung des Kopernikus-Gymnasiums stellten sich am Dienstag die Landtagskandidaten Berni Recker (CDU), Annette Watermann-Krass (SPD), Dr. Stefan Romberg (FDP) und Meinolf Sellerberg (Grüne) den Fragen der Oberstufenschüler Caroline O´Sullivan und Sebastian Michelswirth... „Das Schaffen neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze steht für mich an erster Stelle“, erklärte Berni Recker für die Christdemokraten. Meinolf Sellerberg von den Grünen setzt dagegen auf die Spitzenposition Nordrhein-Westfalens in den Bereichen Energie- und Verbraucherschutz. Und auf das Erschließen neuer Finanzquellen: „Wir müssen etwas dafür tun, dass der Staat mehr einnimmt. Da müssen wir an die hohen Vermögen rangehen“, forderte er. „Kinder fördern statt Steinkohle“, lautete Stefan Rombergs kurze Antwort auf die Schülerfrage, was für jeden Kandidaten nach erfolgreicher Wahl an erster Stelle stehe. Ein Punkt, in dem sich SPD und FDP einig waren. Kinder stehen für die Zukunft des Landes an erster Stelle“, betonte Annette Watermann-Krass.

90 Minuten lieferten sich die Politiker lebhafte Wortgefechte. Besonders Windenergie und Atomkraft waren Themen, die die Schüler zur Sprache brachten. „Die Kernforschung in Nordrhein-Westfalen ist von Rot-Grün kaputt gemacht worden“, unterstrich Romberg. „Stattdessen gehen uns in der Region die Touristen verloren, weil immer mehr Windräder in der Landschaft stehen.“ Ein Thema, das viele junge Zuschauer im Haus Bockey nicht mit dem Liberalen teilen wollten: Den Ausstieg aus der Atomkraft, von SPD und Grünen eingeleitet, begrüßten viele. Manch einer teilte aber auch die Meinung von Berni Recker (CDU): „Was bringt es, wenn hier die sichere Reaktoren abgestellt werden und in der Ukraine neue Meiler wie Pilze aus dem Boden schießen?“ (Fortsetzung 3. Lokalseite.)

Landtagskandidaten stehen Rede und Antwort - Studiengebühren zentrales Thema

Die Einführung von Studiengebühren und die Schaffung neuer Lehrerstellen an den Schulen - besonders junge Leute interessieren diese Themen. Die Schüler des Kopernikus-Gymnasiums scheuten daher nicht, die Landtagskandidaten von CDU, SPD, FDP und Grünen am Mittwochabend im Saal des Hauses Bockey mit Fragen zu löchern. Denn eines stand schon im Vorfeld für sie fest: Nicht nur die Oberstufenschüler würden kleinere Klassen begrüßen, Studiengebühren dagegen nicht.„Um die Klassen zu verkleinern, müssten wir 12 000 Lehrerstellen schaffen. Ich wäre sehr dafür, aber aus dem Stand heraus lässt sich das nicht so einfach realisieren“, erklärte Manfred Sellerberg (Grüne). Seine Partei sei jedoch bereit, mehr Geld in die Bildung zu stecken. „Das geht jedoch nur über die Erhöhung der Staatseinnahmen.“

„Bildung muss uns das Geld aus dem Landeshaushalt Wert sein“, erklärte Dr. Stefan Romberg für die FDP. „500 Millionen Euro Kohlesubventionen sind dagegen eine reine Verschwendung.“ Ein Bereich, bei dem auch die Christdemokraten den Rotstift ansetzen wollen.In Sachen Studiengebühren nahmen sowohl CDU als auch FDP kein Blatt vor den Mund. „Die Universitäten sind in einem desolaten Zustand. Wir wollen den Hochschulen freistellen, ob sie eine Gebühr von höchstens 500 Euro pro Semester erheben“, stellte Berni Recker (CDU) fest. In Nordrhein-Westfalen soll jedoch jeder Abiturient die Möglichkeit bekommen, eine Hochschule zu besuchen. „Studenten, die später einen Beruf haben und die Gebühr während des Studiums nicht finanzieren
können, haben die Möglichkeit, den Betrag später monatlich ans Land zurückzahlen“, schlug Recker vor. Höchstens 5000 Euro seien bei einer Regelstudienzeit von zehn Semestern fällig. Nicht nur für die Ganztagsschule möchte die Partei nach dem Wahlsieg so schnell wie möglich neue Stellen schaffen. „Wir stellen garantiert neue Lehrer ein“, unterstrich Recker. „Alle freien Lehrerstellen sind auch in der Vergangenheit wieder besetzt worden“, betonte Annette Watermann-Krass (SPD). „Außerdem bleibt das Erststudium gebührenfrei.“ Der reelle Unterrichtsausfall an den Schulen habe lediglich vier bis fünf Prozent betragen, erklärte die Sozialdemokratin. Ein Wert, den nicht alle Schüler im Saal Bockey mit der Kandidatin teilten, wie einige kritische Anmerkungen zu dem Punkt zeigten.

Text und Foto von Mirco Borgmann, Die Glocke, Beckum/ 19.05.2005