50 junge Partner: Franzosen und Deutsche, vom College Victor Hugo und vom Kopernikus-Gymnasium Neubeckum

Noch im April und Mai dieses Jahres hatten sich ca. 50 Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgänge aus La Celle Saint-Cloud und Neubeckum im 25. Jahr der Städtepartnerschaft besucht.

Sie wollten den Eiffelturm besichtigen, Kultur und Sprache besser kennen lernen und freuten sich insbesondere auf die gleichaltrigen Freunde und Freundinnen. Vera Vollmer und Susanne Wolf, die verantwortlichen engagierten Französisch-Lehrerinnen des KGN wünschten sich für ihre Sprösslinge eine lehrreiche Woche, aber auch Spaß und schönes Wetter (s. HP KGN vom 14.4. und 5.5.08). Der Austausch verlief harmonisch und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten.
Die Jugendbegegnung ist für Weltoffenheit und Frieden von unschätzbarem Wert; den engagierten Pädagoginnen in beiden Ländern gebührt Dank für die aufwändige, wertvolle Arbeit, die mit viel Idealismus weit über den selbstverständlichen Fachunterricht hinausgeht.
Vor 25 Jahren hatten Jean-Louis Gasquet und Bernd Schnell bei der Gründung der Städtepartnerschaft in La Celle Saint-Cloud eine junge Eiche gepflanzt, jetzt im Oktober 2008 fanden sie am Rande der Jubiläumsfeierlichkeiten einen stattlichen Baum vor (s. Artikel und Interview unten). Aus der Sicht der Initiatoren gründen sich Frieden und Wohlstand Europas vor allem auf die gemeinsame Kultur Deutschlands und Frankreichs. Daher sei es auf jeden Fall wünschenswert, dass sich die Städtepartnerschaften als Basis der positiven Entwicklung der Beziehungen beider Länder ständig weiterentwickeln.

Sigfrid Krebs

Silberhochzeit folgen Blütejahre

Beckum / La Celle Saint-loud (gl). „25 Jahre Partnerschaft sind eine stolze Leistung. Viele Partnerschaften haben nach
so vielen Jahren bereits ihren Reiz verloren, andere sind sogar schon geschieden. Aber die Tatsache, dass Sie Ihre Silberne Hochzeit heute hier in La Celle Saint-Cloud feiern, deutet darauf hin, dass Ihrer Beziehung, wie das in den besten Ehen der Fall ist, die Blütejahre noch bevorstehen.“

Mit diesen Worten würdigte Andreas Krautscheid (Bild), NRW-Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medienfragen, beim offiziellen Festakt in La Celle Saint-Cloud das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Beckum und La Celle Saint-Cloud. Den Gedanken, dass eine solche Partnerschaft gepflegt werden will, nahm auch Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann auf: „Wäre unsere Städtepartnerschaft ein Auto, so dürfte sie sich heute als Oldtimer bezeichnen. Aber das Modell hat sich bewährt, die Form ist zeitgemäß und der Motor läuft zuverlässig“, so Strothmann. Als Schwung bringendes Motoröl bezeichnete er die vielen persönlichen Kontakte und Initiativen, die die Partnerschaft jung halten. Die gemeinsamen historischen Wurzeln der beiden Städte belegte der Beckumer Bürgermeister
mit seinem Gastgeschenk an den Celloiser Kollegen. Er überreichte einen Ammoniten, der aus derjenigen Gesteinsschicht eines Beckumer Steinbruchs stammt, die bereits 75 Millionen Jahre alt ist und bis ins Pariser Becken hineinreicht. Der Bürgermeister von La Celle Saint-Cloud, Olivier Delaporte, zeigte sich beeindruckt und bestätigte, dass er sehr stolz auf die
gemeinsame Geschichte sei. In seiner Rede betonte er, wie sehr die persönlichen Kontakte den Verlauf der Städtepartnerschaft prägten und schlug eine Reihe von Bereichen vor, in denen sich in Zukunft eine zeitgemäße Fortsetzung der lebendigen Partnerschaft realisieren ließe.


Zur Erinnerung an die langjährige Partnerschaft überreichten die Beckumer Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann und Bernd Schnell eine vom Künstler Thomas Stuwe geschaffene Erinnerungsplatte für den Platz der Städtepartnerschaft an ihre Celloiser Kollegen Olivier Delaporte und Jean-Louis Gasquet. Es gratulierte der Heringsdorfer Klaus Kottwittenborg. Unser Bild zeigt (v. l.) Klaus Kortwittenborg, Dr. Karl-Uwe Strothmann, Jean-Louis Gasquet, Oliver Delaporte und Bernd Schnell. Bilder: Cappenberg

Die Glocke, 06.10.08

La Celle und Beckum beweisen Zuneigung

Wie sehr sich die Rahmenbedingungen und damit auch die Ziele der Städtepartnerschaft verändert haben, erzählte Bernd Schnell, Beckumer Bürgermeister bei der Gründung. 1983 habe es vor allem bei den ehemaligen Kriegsteilnehmern gewisse Vorbehalte gegen eine deutsch-französische Städtepartnerschaft gegeben. Als sein persönliches Schlüsselerlebnis beschrieb er sichtlich bewegt seine Begegnung mit Lucien René Duchesne, dem langjährigen Celloiser Bürgermeister, der als ehemaliger deutscher Kriegsgefangener später zu einem großen Förderer der Städtepartnerschaft geworden sei. Die zurückliegenden 25 Jahre seien voller Überraschungen gewesen, wie auch die Erweiterung des europäischen Netzwerkes durch die Städtepartnerschaft zu Grodków, die sich 1983 noch niemand vorstellen konnte. Auch sein damaliger Celloiser
Kollege, Jean-Louis Gasquet, erinnerte an die Wurzeln der Städtepartnerschaft. Er betonte, dass Beckum und La Celle Saint-Cloud eben keine Vernunftehe, sondern eine Partnerschaft aus Zuneigung geschaffen haben. Die seit Jahren andauernden Aktivitäten haben dazu beigetragen, ein Gefühl wirklicher Brüderlichkeit zwischen den Bürgern zu entwickeln, so Gasquet. Dazu gratulierte auch Klaus Kottwittenborg, der Bürgermeister der Beckumer Partnerstadt Heringsdorf.


Freundlich empfangen wurde die Beckumer Delegation von ihren Freunden aus La Celle Saint-Cloud, die ein umfangreiches Festprogramm vorbereitet hatten.

Die Glocke, 06.10.08

Zum Geburtstag neue Freundschaften geknüpft

Beckum / La Celle Saint-Cloud (cc). „Wir einigen keine Staaten, wir bringen Menschen zusammen.“ Dieser Ausspruch von Jean Monnet, einem der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft, wurde bei den Feiern zum 25. Geburtstag der Städtepartnerschaft zwischen Beckum und La Celle Saint-Cloud nicht nur mehrfach zitiert, sondern er könnte auch das Motto des Festwochenendes in Frankreich gewesen sein. Im Mittelpunkt stand immer wieder der Austausch gemeinsame Interessen. Die Singgemeinschaft Beckum hatte bereits im März Kontakte in die Partnerstadt geknüpft. Geplant wurde ein gemeinsames Konzert mit dem Chor aus La Celle Saint-Cloud aus Anlass des Jubiläums. Dies fand vor zahlreichen Besuchern in der Celloiser Kirche Notre Dame de Beauregard statt. Der Chor von La Celle Saint-Cloud präsentierte eindrucksvoll einige Auszüge aus dem „Magnificat“ von John Rutter. Unter der Leitung von Siegfried Buske stellte die Singgemeinschaft Beckum im Anschluss ihr breites Repertoire von der Klassik bis zur Moderne anhand ausgewählter Werke dar. Auch den offiziellen Festakt im Theatersaal sowie die Abschlussmesse am Sonntag wurden von den Beckumern musikalisch gestaltet. Für sie war es bereits die dritte Fahrt nach La Celle Saint-Cloud in 25 Jahren. Noch am Anfang steht der Austausch einiger Rockbands aus Beckum und La Celle Saint-Cloud. Die beiden französischen Gruppen „La Lichette“ und „Exeperence“ bereicherten das Programm des Rockfestivals in der Phoenix. Nun nutzten die beiden Beckumer Bands „RadioTool“ und „Mindreader“ die Gelegenheit, um ihre musikalischen Freude zu besuchen. Am Freitagabend standen bis in die Nacht hinein Proben im Celloiser „Maison de la Jeunesse et de la Culture“ (Jugend- und Kulturhaus) auf dem Programm. Samstags folgt ein Konzert, bevor die Jugendlichen gemeinsam die Gelegenheit zur Teilnahme am Kulturfestival „nuit blanche“ in Paris nutzten. Beckumer Beteiligung gab es auch bei der Kunstausstellung „Les Cellois s’exposent“ im Rathaus der Stadt. Neun Beckumer Künstler hatten Werke nach La Celle Saint-Cloud geschickt, von Malereien über Skulpturen bis zu Fotografien. Mit Michèle Sandrat-Peitz war auch eine Beckumerin in der Jury vertreten, die letztendlich die Bronzeskulptur einer Celloiser Künstlerin mit dem Preis der Stadt auszeichnete. Neben den künstlerischen Veranstaltungen stand für die Beckumer Delegation außerdem der Besuch des renovierten Schwimmbads auf dem Programm. Interessierte Nachfragen zur Technik und den Besuchszahlen beantwortete Schwimmbadleiter Rolin Regis ausführlich. Beim Tanzabend am Samstag nutzte der Celloiser Bürgermeister Olivier Delaporte die Gelegenheit, um Dr. Karl-Uwe Strothmann für seine Unterstützung als Bürgermeister sowie Bernd Schnell, Dr. Hubert Lukas und Anne-Sophie Maradeix stellvertretend für das Engagement der Fördervereine der beiden Städte zu ehren. Musik und Tanz sorgten im Anschluss für eine ungezwungene Atmosphäre in der zahlreiche neue Kontakte geknüpft und bewährte Kooperationen zwischen den Bürgern gepflegt wurden, um auc in Zukunft ein vielfältiges Austauschprogramm zu ermöglichen.


Die Beckumer Rockbands „Radio Tool“ und „Mindreader“ vertieften ihre Kontakte zu den Celloiser Bands „La Lichette“ und „Exeperence“ anlässlich des Geburtstagsfestes.


Die Besichtigung des neuen Celloiser Schwimmbads gehörte für die Beckumer Delegation zum Programm des Festwochenendes.

Die Glocke, 07.10.2008

Frieden bewahren durch Pflege der Freundschaft

Beckum (cc). Aus Anlass des 25. Geburtstag der Städtepartnerschaft zwischen Beckum und La Celle Saint-Cloud führte die „Glocke“ 25 Jahre nach ihrer Unterschrift der Partnerschaftsurkunde folgendes Interview mit den beiden ehemaligen Bürgermeistern Bernd Schnell und Jean- Louis Gasquet. „Die Glocke“: Sie beide haben sowohl die Anfänge der Städtepartnerschaft als auch ihren Verlauf in den vergangenen 25 Jahren hautnah miterlebt. Welche Aspekte haben sich in dieser Zeit am meisten verändert? Jean-Louis Gasquet: Am Anfang bestimmte die sensible Versöhnung die Beziehung. Man musste sich erst kennen lernen und schätzte sich glücklich, nach und nach die Gemeinsamkeiten zu entdecken. Heute ist die Partnerschaft von unbefangenen Gefühlen geprägt. Die Unterschiede werden nicht mehr so stark wahrgenommen, man besucht sich, und mit der europäischen Integration verfolgt man ein gemeinsames Ziel. Man ist sich nähergekommen durch Kontakte in allen Ebenen der Gesellschaft: Jugendliche, Sportler, Musiker und Feuerwehren. Diese Treffen haben für eine größere Unbefangenheit im Umgang gesorgt. Bernd Schnell: In der Entwicklung der Städtepartnerschaft waren immer wieder die Unterschiede in der Struktur der beiden Städte von großer Bedeutung. Ich erinnere mich noch daran, dass dies auch in Beckum vor der Gründung ein Thema war. Es gab die Überlegungen, ob nicht die Partnerschaft mit einer Zementstadt vernünftiger sei. Allerdings braucht man keine Partnerschaft, um über dasselbe zu reden. Die Themen wären schnell erschöpft gewesen. Ich persönlich fand gerade die Unterschiedlichkeit interessant. Die anderen Strukturen machen den Reiz aus. „Die Glocke“: Können diese Unterschiede nicht auch Probleme bereiten? Bernd Schnell: Diese unterschiedlichen Strukturen bestehen unter anderem auch im Vereinsleben. In La Celle Saint-Cloud laufen große Anteile der Organisation über die Verwaltung. Bei uns in Beckum haben die Vereine ein selbstbewusstes Eigenleben. Das macht es ihnen manchmal schwer, wenn sie Kontakte knüpfen wollen. Durch eine gute Organisation lässt sich dieses Problem aber meistern. Hier ist es Aufgabe der beiden Städte, die Initiative von Vereinen und denjenigen Bürgern, die sich in der Partnerschaft engagieren wollen, zu unterstützen. Als Perspektive sehe ich vor allem den Austausch im kulturellen und sportlichen Bereich, wo es in beiden Städten Gemeinsamkeiten gibt. Selbst wenn die Strukturen dann unterschiedlich sind, hoffe ich, dass dank der gleichen Interessen ein Austausch gelingt. „Die Glocke“: Welche Ziele sehen Sie für die Zukunft der Städtepartnerschaft? Bernd Schnell: Man darf nie den ursprünglichen Sinn der Städtepartnerschaften vergessen. Mir sind vor allem die Begegnungen der ehemaligen Kriegsteilnehmer in Erinnerung geblieben. Denn die Städtepartnerschaft hat dafür gesorgt, dass sich diejenigen, die sich im Zweiten Weltkrieg mit Waffen gegenüberstanden, ohne Waffen in den Arm schließen konnten. Aus dieser Generation kann kaum noch jemand bei den Jubiläumsfeierlichkeiten dabei sein. Trotzdem muss es immer auch Ziel der Städtepartnerschaften bleiben, dass man sich nicht wieder mit Waffen gegenübersteht. Jean-Louis Gasquet: Der Frieden und der Wohlstand Europas gründen sich vor allem auf die gemeinsame Kultur Deutschlands und Frankreichs. Daher wünsche ich mir auf jeden Fall, dass sich die Städtepartnerschaften als Basis der positiven Entwicklung der Beziehungen unserer beiden Länder ständig weiterentwickeln.


An dem Ort, wo (v. l.) Jean-Louis Gasquet und Bernd Schnell bei der Gründung der Städtepartnerschaft in La Celle Saint-Cloud vor 25 Jahren eine junge Eiche pflanzten, fanden sie am Rande der Jubiläumsfeierlichkeiten einen stattlichen Baum vor. Über die Wurzeln und Perspektiven der Städtepartnerschaft sprachen sie mit der „Glocke“.

Die Glocke, 07.10.2008